Dieser Tage geht auf dem Friedhof Hörnli das neue Krematorium in Betrieb. Der Grosse Rat hat dafür 2015 einstimmig 17 Millionen Franken gesprochen. In früheren Zeiten wurde die Feuerbestattung im Grossen Rat – und im Volk – heftig diskutiert; nicht zuletzt ging es ums Geld. Der erste «Apparat zur Leichenverbrennung» überstand 1896 das Referendum nur knapp.

Schwarz-weiss-Foto: Das einstige Krematorium Horburg
Das einstige Horburg-Krematorium © Staatsarchiv BS

Zürich war mal wieder schneller. 1888 geht im Grossen Rat die Petition von St.-Theodor-Pfarrer Emanuel Linder ein, die verlangt, dass Basel wie Zürich ein Krematorium erhalten soll, und zwar auf dem neuen Horburg-Gottesacker.

Die tiefe Lage zwischen Rhein und Wiese, der hohe Grundwasserpegel und eine undurchlässige Tonschicht führten dazu, «dass sich die Kleinbasler Erde wenig zur Beherbergung von Leichen eigne», mahnt der Petent angesichts der damals üblichen Erdbestattung.

Städtebauliche Überlegungen versus «Luxuslösung»

Drei Jahre zuvor hatte der Grosse Rat die Gratisbestattung aller Baslerinnen und Basler beschlossen. 1890 stimmt er mit knapper Mehrheit auch der fakultativen Feuerbestattung zu, allerdings, wie vom Regierungsrat beantragt, gegen Gebühr. Ohnehin geht es in der Ratsdebatte weniger um die neue Bestattungsart als vielmehr ums Geld. Ein Teil der Grossräte hätte die Feuerbestattung ebenfalls unentgeltlich anbieten wollen, weil es, bei wachsender Bevölkerung, immer weniger Terrain für Friedhöfe gebe. Es sei «in letzter Zeit Mode geworden, für alle möglichen Dinge und Arbeiten, welche des Staates sind, Privatbeiträge in Anspruch zu nehmen», schimpft Grossrat Brändlin.

Von konservativer Seite wird die «Luxuslösung» einer Feuerbestattung dagegen nicht als Sache des Staates gesehen. Und Grossrat Grüninger fand: «Wer die baroke Idee hat, sich verbrennen zu lassen, der kann sich ja nach Zürich spediren und dort verbrennen lassen.»

82'000 Franken für das erste Krematorium

Als die Regierung sechs Jahre später 82'300 Franken für den Bau des ersten Krematoriums auf dem Horburg-Gottesacker beantragt, wird im Grossen Rat tief in die Trickkiste gegriffen: Die Anträge reichen von Nichteintreten und der Überweisung an eine Kommission mit dem Auftrag eines günstigeren Baus bis zur Unterstellung unter das obligatorische Referendum. Schliesslich stimmt eine Mehrheit der Grossräte dem Bau aber zu.

Konservative Kreise ergreifen allerdings das Referendum. Und das zum Urnengang aufgeforderte Volk entscheidet sich nach heftigem Abstimmungskampf nur knapp, mit 3376 gegen 3197 Stimmen, für das erste Basler Krematorium.

Premiere geht schief

Die Premiere mit einem verstorbenen Strafanstaltinsassen, der als Probe herhalten muss, geht dann gründlich schief. Der Heizer bedient die Anlage falsch und fällt wegen der Gasentwicklung in Ohnmacht. Vor dem kapellenartigen Gebäude stehen die Schaulustigen Schlange, und das «Basler Volksblatt», Sprachrohr christlicher Traditionalisten, empört sich über den «Einzug des offiziellen Neuheidentums in Basel».

Die Feuerbestattung verbreitet sich in Basel in den folgenden zwei Jahrzehnten nur langsam, obwohl sie der Regierungsrat bereits 1897 ebenfalls als unentgeltlich erklärt. Das Horburg-Krematorium tut seinen Dienst bis 1932, als der Friedhof am Hörnli eröffnet wird. 1951 muss es der chemischen Industrie weichen und wird abgerissen.

Text: Eva Gschwind/André Salvisberg, ParlD. Quellen: Grossratsprotokolle vom 17.11.1890 und 4.6.1896; Kantonsblatt 1896 (Abstimmung 6.9.1896). «Basel in der guten alten Zeit», Eugen A. Meier, 1972. www.baslerstadtbuch.ch. Bildnachweis: Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 6285.

 

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