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Ratssaal

 

Entstehung

Der Grossratssaal im Hinterhaus des Rathauses entstand 1901 bis 1904. Er hat mehrere Vorgänger, deren Geschichte tief ins Mittelalter zurück reicht. Von ihnen ist leider fast nichts mehr erhalten, doch gibt es im Basler Kunstmuseum noch die von Hans Holbein d. J. gemalten Wandbilder in Form von Fragmenten zu besichtigen.

Vorgänger

Der Grossratssaal hatte Vorgänger – wenn auch nicht so viele, wie Rathäuser. Vom ersten bekannten Rathaus am Fischmarkt um die Mitte des 13. Jahrhunderts bis zu dem Gebäude am Marktplatz, aus dem nach dem Erdbeben von 1356 durch Neu-, Um- und Anbau das heutige Rathaus erwachsen ist, gab es innert hundert Jahren vier Ratssäle. Aber Grossratssäle waren das alle nicht. Der Grosse Rat wurde erst um 1380 geschaffen: Geschichte. Er zählte an die zweihundert Mitglieder und musste aus Platznot in den Sälen des Augustiner- und Barfüsserklosters tagen.

Den ersten „echten“ Grossratssaal findet man seit dem Neubau des Rathauses ab 1504. Er entstand 1517 bis 1521 und befand sich, um dem Lärm des Marktplatzes zu entfliehen, ebenfalls im Hinterhaus. Der Saal hatte eine flache Holzdecke, die reich mit Schnitzwerk verziert war; die Bemalung führte der junge Hans Holbein d. J. bis 1522 aus. Die Bilder vermittelten eine Mischung antiker und christlicher Vorstellungen und Geschichten moralischer Tendenz, zeigten die Allegorien der Gerechtigkeit, Weisheit und Mässigung. 1530, in einer zweiten Ausstattungsphase nach der Reformation, kamen noch düstere alttestamentarische Erzählungen hinzu. Die Malereien litten jedoch unter eindringender Feuchte und verwitterten so stark, dass 1597 der Maler Hans Bock Kopien auf Leinwand anfertigte, die vor die Originale gehängt wurden. 1737 wurde der Saal dann neu mit grünem Tuch tapeziert, dessen Eintönigkeit auf die Dauer auch nicht befriedigte.

1824 bis 1828 liess man das Rathaus umfassend erneuern, der Grossratsaal bekam eine bedeutend höhere Decke und wurde insgesamt umgestaltet; er war fast wie neu. Diese Ausführung entsprach überhaupt nicht mehr dem Geschmack des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Man sah darin bloss noch einen Zweckbau. So wurde der alte Saal 1901 ohne viel Federlesens abgebrochen, als man 1899 bis 1904 das Rathaus im Stil von Neugotik und Neurenaissance umbaute und erweiterte.

Reiche Bilderwelt

Der Grossratssaal hat fast alles, was ein Parlamentsbetrieb braucht: Garderobe, Vorsaal, Parlamentariercafé, Journalistensitze und Publikumstribüne; die Raumhöhe reicht wie bei solchen Bauten üblich über zwei Stockwerke, ein Hof an der nördlichen Längsseite gibt diesem tief in den Münsterhügel gegrabenen Rathausteil Licht. Was den Saal aber besonders macht, ist seine Bilderwelt, die mit diesem Ort geschichtlich und ideell aufs Engste verbunden ist. Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt tagt in einem gestalterischen Gesamtkunstwerk, mit dem ein Reichtum der Selbstdarstellung gelang, der anderswo kaum zu finden ist.

Basel und die Eidgenossenschaft

Die Wappen der Schweizer Kantone und legendäre Gestalten aus der Geschichte auf der Aussenfassade des Rathauses verweisen auf das Generalthema der Ausschmückung: Basel und die Aufnahme in die Eidgenossenschaft im Jahr 1501. Es setzt sich fort in der Innenhoffassade des Hinterhauses, wo man die Gesandten der Eidgenossenschaft in Basel Einzug halten sieht. Im Innern des Grossratssaals, über dem Sitz des Grossratspräsidenten und damit vor den Augen der Grossräte, kulminiert das Geschehen im dreiteiligen Bild des Bundesschwurs; das Ganze kommentieren ausführliche Schrifttafeln. Auf der Rückseite des Saals ergänzen szenische Darstellungen von Handel und Wissenschaft und ein historisches Ereignisbild (der Amtsantritt des Rektors bei der Wiedereröffnung der Universität nach der Reformation) die Ikonographie.

Porträts und Allegorien

In den Bildern sind zahlreiche am Rathausbau beteiligte Personen abgebildet, sogar die Familie des Rathausabwarts gab einigen Figuren ihre Gesichtszüge. Geschnitzte und gemalte Porträtmedaillons für die Basler Geschichte wichtiger Staatsmänner (angefangen beim legendären Stadtgründer Munatius Plancus) finden sich an den Saalwänden verteilt, ebenso wie die Allegorien von Lüge und Wahrheit und Verkörperungen der vier Haupttugenden Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Mässigung; eine Wiederaufnahme des humanistischen Bildprogramms der Holbeinschen Bilder.

Kunststil

Das Rathaus ist ein hervorragendes Beispiel der historisierenden Bauweise um 1900. Die Porträtierung von Zeitgenossen zum Beispiel war ein Stilelement von Mittelalter und früher Neuzeit; sie ist aber auch der deutlichste inhaltliche Gegenwartsbezug einer durch Allegorik, Tracht und Themenwahl auf das 16. Jahrhundert ausgerichteten dekorativen Üppigkeit. Formale Modernität findet sich im Jugendstil, der ständig in den ornamentalen Verzierungen sowie durch die bunte und bewegte Leichtigkeit der Bilder hervor scheint.










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